
Interviewgast
Agata Werner
Ich stärke Menschen, verbinde Teams und gestalte demokratische Organisationen, die in Krisen resilient bleiben und Gesellschaft wirksam mitgestalten.
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Jetzt kostenlos anmeldenAls Kind polnischer Einwanderer, geboren und aufgewachsen in Deutschland, beschäftigt mich seit meiner Jugend die Frage nach Identität und Zugehörigkeit. In der Schule war ich „die Polin“. Wenn wir in den Ferien meine Oma in Polen besuchten, war ich für meine Freunde dort „die Deutsche“. So habe ich früh erlebt, wie unterschiedlich andere Menschen dieselbe Person wahrnehmen – und wie schnell Herkunft darüber entscheidet, wer als zugehörig gilt.
Diese Erfahrungen haben Fragen aufgeworfen, die mich bis heute begleiten: Wer gehört dazu? Wer bestimmt das? Warum teilen wir uns so oft in Dafür und Dagegen? Und wie finden wir trotz unterschiedlicher Erfahrungen und Überzeugungen zueinander? Ich bin überzeugt: Integration kann nicht gelingen, wenn wir immer nur nach den Unterschieden zwischen uns suchen. Sie braucht Begegnung, gegenseitige Neugier und die Möglichkeit, Gemeinsamkeit zu erleben und etwas miteinander zu gestalten.
Schon als Jugendliche engagierte ich mich ehrenamtlich und versuchte, in Berlin-Spandau ein Jugendparlament aufzubauen, um jungen Menschen politische Mitsprache zu ermöglichen. Früh wusste ich, dass ich Politikwissenschaft studieren und Gesellschaft mitgestalten möchte. Ich wollte verstehen, wie politische Entscheidungen entstehen und wie Menschen Einfluss auf das nehmen können, was ihr Leben betrifft.
Nach meinem Studium der Politik- und Verwaltungswissenschaft ging ich zu „Jugend debattiert“. Dort setzte ich mich dafür ein, Streitkultur an Schulen zu verankern: eine eigene Position entwickeln, anderen zuhören und unterschiedliche Standpunkte im Gespräch austragen können.
Als 2016 viele geflüchtete Menschen nach Deutschland kamen, baute ich in der Gemeinnützigen Hertie-Stiftung den Deutschen Integrationspreis mit auf. Wir förderten zivilgesellschaftliche Integrationsinitiativen und unterstützten sie dabei, ihre Wirkung über einzelne Projekte hinaus strukturell zu verankern.
Nach der Elternzeit mit meiner Tochter zog es mich in die Jugendbeteiligung. Gemeinsam im Team entwickelten wir „Jugend entscheidet“, ein Vorhaben, in dem Kommunen Jugendliche in politische Entscheidungen einbeziehen. Damit knüpfte ich an mein eigenes Engagement in Spandau an: Junge Menschen sollten erleben können, dass ihre Stimme zählt und sie ihr Umfeld verändern können.
In 14 Jahren Berufspraxis, als Projektleiterin und Führungskraft, habe ich erfahren, wie viel gesellschaftliches Engagement bewegen kann – und welche persönlichen, zwischenmenschlichen und organisatorischen Bedingungen es dafür braucht. Meine Weiterbildung zur systemischen Organisationsentwicklerin und Coach hat diesen Blick vertieft.
Heute begleite ich Menschen mit Verantwortung, Teams und gemeinwohlorientierte Organisationen. Im Mittelpunkt steht für mich der Dreiklang aus Ich, Wir und Organisation: Klarheit in der eigenen Rolle, verbindende und vertrauensvolle Beziehungen und eine agile, demokratische Organisationsgestaltung. Ich unterstütze Organisationen dabei, sich zukunftsfähig und resilient aufzustellen – damit sie auch bei wachsendem politischen Druck, knapperen Fördermitteln und gesellschaftlichen Krisen gemeinsam handlungsfähig bleiben.
Wie können Menschen gemeinsam gesellschaftlich etwas bewegen – und auch unter schwierigen Bedingungen handlungsfähig bleiben? Mein Expertenthema ist die zukunftsfähige Gestaltung von Führung, Zusammenarbeit und Organisationen, besonders in Stiftungen und der organisierten Zivilgesellschaft. Dabei schaue ich auf den Dreiklang: **Ich – wir als Team – die Organisation.**
Auf der individuellen Ebene begleite ich Menschen, die Verantwortung übernehmen: Wie finde ich Klarheit in meiner Rolle? Wie führe ich auch ohne formale Macht, treffe Entscheidungen und bringe Vorhaben voran, ohne mich selbst zu überlasten?
Im Team geht es um verbindende und vertrauensvolle Beziehungen. Wie schaffen wir eine Zusammenarbeit, in der Menschen Verantwortung teilen, Unterschiede offen ansprechen und Konflikte konstruktiv bearbeiten können? Mich interessiert, wie Vertrauen entsteht und tragfähig bleibt – gerade dann, wenn Unsicherheit und Druck zunehmen.
Auf Organisationsebene berate ich zu agiler und demokratischer Organisationsgestaltung. Besonders neue Organisationen unterstütze ich dabei, von Anfang an klare Verantwortlichkeiten, wirksame Beteiligung und passende Entscheidungswege zu entwickeln. Ziel sind Organisationen, die lernen, sich an Veränderungen anpassen und ihrem gesellschaftlichen Auftrag treu bleiben können – auch bei wachsendem politischen Druck, knapperen Fördermitteln und zunehmenden Krisen und gesellschaftlichen Spannungen.
Als systemische Organisationsentwicklerin und Coach verbinde ich 14 Jahre Berufserfahrung in Demokratiearbeit, Politik, Verwaltung und Zivilgesellschaft mit eigener Projektleitungs- und Führungspraxis. In Podcastgespräche bringe ich konkrete Erfahrungen und alltagstaugliche Ansätze ein: für Menschen, die wirksam führen wollen, Teams, die einander vertrauen, und Organisationen, die gesellschaftlichen Wandel mitgestalten.
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